| Mit der Ka6 von Gunzenhausen nach Beilngries |
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In diesem Jahr ist sie schon 46 Jahre alt. Wäre sie ein Mensch könnte man schon erste Verschleißerscheinungen erwarten, doch unsere Ka6 CR erobert nach wie vor mit überzeugender Eleganz und Zuverlässigkeit die Lüfte und wird dies auch weiterhin tun. So haben ihre Flügel auch mich am 6.8.2009 sicher über dem Fränkischen Seenland getragen. Vor dem Flug: Dass der Flug klappen würde war so ziemlich allen klar, außer mir. Ich war in gewisser Weise skeptisch, da ich in diesem Jahr und auch im Jahr davor nicht sonderlich viel zum Fliegen gekommen war, doch waren es vor allem unsere Streckenflieger Sven Killinger und Tobias Lübbe, sowie der Weltmeister der Junioren Clubklasse Volker Sailer, die mich zu diesem Flug quasi nötigten. Nach kurzer Beratung mit Volker Sailer beim Frühstück stand relativ schnell das Ziel Beilngries fest. Der Tag an sich war durchaus geeignet weitere Strecken zufliegen, doch das war nicht mein Ziel. Die Wolkenbasis war hoch und schon relativ früh standen pralle Cumulus Wolken am Himmel. Es wehte ein leichter Wind aus östlicher Richtung. Vor meinem Flug nutzten Julian Schreyer und Sebastian Anger noch die Gelegenheit eine flotte Platzrunde zu drehen. In dieser Zeit beschäftigte ich mich dem Logger.
Der Flug: Die Ka6 war schnell beladen und auch genauso schnell in der Luft. Der Windenstart in Gunzenhausen ähnelt mehr einem Dampfkatapult auf einem Flugzeugträger. Die ersten hundert Meter nach dem Start verdanke ich eindeutig Gonzo, einem Fliegerkammerad aus Gunzenhausen, der mit seiner wunderschönen SB5 einen Bart direkt über dem Flugplatz markierte. Markant für diesen Tag war, dass die Bärte unten heraus deutlich schlechter waren als weiter oben. So kämpfte ich erst einmal bis ich überhaupt in Basisnähe war. Schon während dem Kurbeln über dem Platz kamen mir einige andere Segelflieger entgegen, die in die gleiche Richtung wie ich flogen. Einmal an der Basis flog ich ab in Richtung Weißenburg, wo zu meiner Beunruhigung ein großes blaues Loch klaffte. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Entweder ich wage den Sprung durch das blaue Loch und riskiere eine Außenlandung bei Weißenburg, denn in der Höhe wo ich angekommen wäre, wären die Bärte warscheinlich ziemlich mies gewesen, oder ich halte mich weiter in Platznähe auf, was ich dann auch tat. Nach nur zehn Minuten war das Loch weg und ich kurz unterhalb der Basis. Nichts wie los in Richtung Weißenburg. Nach ein paar weiteren Bärten und einigen Kilometern hinter mir passierte ich die Ortschaft Ellingen nördlich von Weißenburg. Die Flug verlief ruhig und unproblematisch: Es ging im Sägezahn-Modus mit bereits kaputtgesessenem Hinterteil weiter Richtung Beilngries. Bis Grafenberg war ich im Schnitt gesehen immer relativ hoch, was mich sehr beruhigt hat. Doch bereits 15km vor dem Ziel war das nicht mehr möglich. Ich war im Schnitt gesehen nun deutlich tiefer und die Wolken sahen deutlich bescheidener aus. Ich wusste, dass ich keine Zeit vergeuden sollte und lieber meine Aufgabe erfüllen sollte, denn 10 km vor dem Ziel landen wäre echt peinlich gewesen. So flog ich mit meiner Resthöhe direkt nach Beilngries, was mir als thermisch deutlich besser beschrieben wurde, als es tatsächlich war. In 1250m über dem Meeresspiegel erreichte ich die wunderschön gelegene Stadt Beilngries. Am dortigen Flugplatz, der auch meine Wende war, warreger Segelflugbetrieb, doch sah ich zu meinem erschrecken keinen beim Kurbeln. Ich flog einige Wolken an um wieder an Höhe zugewinnen, doch das gelang mir nicht. Auch der Steinbruch bei Beilngries war nicht sonderlich ergiebig. Weiter im Westen, also wieder Richtung Gunzenhausen, war eine Art Hochebene mit kleinen Dörfern und riesigen, augenscheinlich geeigneten Äckern. Jeden Kilometer den ich in Richtung Westen flog, müsste mein Rückholer Tobias Lübbe eventuell weniger fahren. Nachdem ich die Hochebene erreicht hatte fiel mir ein Gelände auf, dass ein wenig wie ein Flugplatz aussah. Das kam mir gerade Recht, da ich nicht mehr sonderlich hoch war. Ich überflog dieses Gelände in der Nähe der Stadt Greding und erkannte eine Piste und sogar einen Tower. Ich nahm die Karte sah, dass es in Greding tatsächlich ein Segelfluggelände gibt. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste ist, dass ich die Heereserprobungsstelle mit dem Segelfluggelände verwechselte. Eine Landung wäre sicherlich interessant geworden, doch zum Glück kam es nicht so weit. Ich hatte mal wieder zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Landen oder Kurbeln. Ich entschied mich fürs Kurbeln und steuerte den Hang westlich der Autobahn A9 bei Greding an. Sollte ich hier keinen Bart finden könnte ich immer noch direkt auf diesem Militärgelände landen. Nachdem ich Wind und Sonneneinfall berücksichtigt hatte und eine kleine Düse finden konnte wurde ich innerhalb von 15 Minuten wieder auf 2000m hochkatapultiert. Dieser kleine aber feine Bart war meine Rettung. Müde und erschöpft erreichte ich wieder die Basis und flog direkt nach Gunzenhausen. Die Route führt mich vorbei an Thalmässing und weiteren kleineren Dörfern. Kurz vor der Talsperre der Brombachsee bei Pleinfeld machteich meine letzten Kreise und flog wieder direkt zurück in die Heimat. Der Endanflug auf Gunzenhausen war absolut genial, mit einerwundervollen Sicht auf den Brombachsee und ein bisschen Rückwind war dieser Teil der angenehmste des Fluges. Nach der Landung in Gunzenhausen gratulierten mir meinen Kameraden, unter anderem auch mein Fluglehrer Hubert Müller, der mich ein paar Tage davor in das „Geheimnis“ des Streckensegelflugs eingewiesen hat. Alles in allem war das ein gelungener Flug und ein wunderschöner Tag in meiner Fliegerkarriere. Vielen Dank an alle, die mich bis dato in meiner Fliegerei unterstützt haben.
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| Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 27. Oktober 2009 ) |
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